Egal, wie zufrieden die Besitzer eines Hundes mit ihrem Liebling und ihrer gesamten Lebenssituation sind – hin und wieder wird fast jeder von ihnen von dem Zweithund-Virus befallen.
Plötzlich ist er im Kopf, dieser quälende Gedanke: Soll ich mir nicht noch einen anschaffen? Wäre es nicht herrlich, beim täglichen Spaziergang von zwei Vierbeinern begleitet zu werden?

Häufiger Auslöser dieses Wunsches:
Man trifft einen gutgelaunten Menschen, der mit zwei Hunden unterwegs ist. Fiffi und Waldi Schulter an Schulter, ein Bild in trauter Eintracht, in Begleitung ihrer entspannten Besitzerin, die gleich noch einige rührende Geschichten zum Besten gibt. Alle mit dem Tenor: Was haben die beiden sich so lieb!

Wer nur einen Hund hat, entwickelt da leicht Schuldgefühle. Ist es überhaupt zu verantworten, meinem Tier das Zusammenleben mit einem Artgenossen vorzuenthalten? Fehlt ihm womöglich etwas Elementares? Denn wir wissen ja: Hunde sind Rudeltiere.

Und selber? Haben wir nicht so viel Hundeliebe im Herzen, von unserem Sachverstand ganz zu schweigen, um locker noch mindestens ein weiteres Exemplar damit zu beglücken? Wie lautet noch dieser schöne Spruch? "Man soll nicht mehr Hunde halten, als man Hände zum Streicheln hat."

Na also: zwei Hände, zwei Hunde. Analysiert man die Motive genauer, die dem Wunsch nach einem zweiten Hund zugrunde liegen, trifft man auf die unterschiedlichsten Beweggründe. 

   Den einen geht´s wie mit einem leckeren Stück Torte: Schmeckt so gut, daß man gern zu
     einem zweiten greift. Hundefreunde aus dieser Kategorie bleiben ihrer Rasse treu und ent-
     scheiden sich ohne zögern für einen Artgenossen der gleichen Sorte. 
   Andere denken dann an einen Zweithund, wenn ihr Vierbeiner ein Alter erreicht hat, das sie
     zunehmend an den bevorstehenden Abschied denken läßt. Wer zwei Hunde hat, verkraftet
     den Tod des einen leichter, weil er nicht plötzlich ganz "ohne" dasteht. 
   Dann gibt es noch diejenigen, die sich als Zweithund einen deutlichen Gegenpol zum ersten
     wünschen: den einen für die Agility und den anderen zum Schmusen, den großen,
     glatthaarigen zum kleinen Wuschel, den ruhenden Pol als Kontrastprogramm zum quirligen
     Wirbelwind.
   Absurderweise ist gerade bei solchen Hundehaltern, die unter chronischem Zeitmangel
     respektive Unlust leiden, die Vorstellung weit verbreitet, ein Zweithund sei die Lösung. 
     F
alsch! Ein zweiter Hund bringt uns viel, aber er verschafft uns ganz gewiß keine Entlastung.
     Ganz im Gegenteil. Otto Normalverbraucher sieht das anders, wie ich in Gesprächen
     regelmäßig erfahre. "Wo haben Sie denn Ihre Hunde gelassen? Alleine zu Hause, seit
     Stunden schon? Na ja, sind ja zu zweit, da müssen Sie sich doch keine Gedanken
     machen."  Wie beruhigend! Ein Artgenosse als Ersatz für fehlende Zuwendung durch den
     Menschen? 
   Es gibt übrigens Leute, die sich nicht zuletzt deshalb einen zweiten Hund anschaffen, um
    dadurch ihrer herausragenden Kompetenz in Fragen der Hundehaltung Ausdruck zu verleihen.
    Zwei Hunde unter Kontrolle zu haben—das macht in der Tat Eindruck, nicht nur auf
    Hundeleute. Die Betonung liegt allerdings auf "Kontrolle", nicht auf "haben". 
  Sprechen wir nun über jenen Beweggrund zur Anschaffung eines Zweithundes, den die
    betreffenden Personen in der Regel weder sich selbst noch anderen gegenüber eingestehen:
    Sie sind mit ihrem ersten Hund nicht zufrieden






          





 

 

Man sollte frühzeitig darüber nachdenken, welche speziellen Probleme je nach Konstellation auftreten können, um sofort darauf reagieren zu können. Um das Risiko eines Fehlschlages von vornherein zu minimieren, müssen wir zunächst sorgfältig einen passenden Partner für den bereits im Haus lebenden Vierbeiners auswählen.

Dabei spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. Unter anderem auch das Geschlecht:

a) Rüde & Hündin

Hunde verschiedenen Geschlechts vertragen sich in aller Regel gut. Eine empfehlenswerte Kombination- wäre da nicht das Problem mit der Fruchtbarkeit. Wer mag sich und seinen Vierbeinern schon zumuten, die beiden mindesten vier Wochen im Jahr voneinander fernzuhalten oder während der kritischen Zeit den Rüden aus dem Haus zu geben.
Es ist zweckmäßiger, einen der beiden zu kastrieren. Meist wird die Hündin dem Eingriff unterzogen. Damit fallen zudem alle übrigen mit der Läufigkeit verbundenen Schwierigkeiten weg.
Manchmal spricht auch einiges dafür, den Rüden zu kastrieren- dann nämlich, wenn er in Gegenwart "seiner Frau" einen überstarken Kavaliersinstinkt entwickelt und jedem Geschlechtsgenossen prophylaktisch niedermacht.
Aber: Ob wir den Rüden oder die Hündin kastrieren lassen- mit dem Eingriff kann auch ein Teil der natürlichen Toleranz dem andersgeschlechtlichen Partner gegenüber verloren gehen.


                        

Wie viele Hunde kann ein Mensch im Lauf seiner Lebenszeit halten? Drei, fünf, wenn´s hoch kommt sieben? Wer die Verschiedenartigkeit der Rassen und auch der einzelnen Hundepersönlichkeiten besonders reizvoll findet, für den ist das zu wenig. Wer zwei zur gleichen Zeit hält, kann seine Erfahrungsmöglichkeiten verdoppeln. Manchmal führt auch ein schlechtes Gewissen dem ersten Hund gegenüber zur Anschaffung eines zweiten. Das arme Tier ist zuviel allein, langweilt sich offensichtlich, hat möglicherweise bereits neurotische Störungen aufgrund dieser ungesunden Lebensumstände ausgebildet. Also schafft man einen zweiten an, auf daß die beiden sich nunmehr gegenseitig Gesellschaft leisten mögen. Was federrupfenden Wellensittichen hilft, kann doch auch Hunden nicht schaden.

Sei es, daß sie sich mit den rassebedingten Eigenschaften ihres Tieres insgesamt nie so richtig anfreunden konnten, sei es, daß ihnen ein bestimmtes Merkmal ihres Vierbeiners (Schärfe, Ängstlichkeit, JAGDTRIEB) zunehmend auf die Nerven geht. In den meisten Fällen allerdings resultiert die Enttäuschung in erster Linie daraus, daß die Erziehung des Hundes seinem Besitzer gründlich in die Hose gegangen ist. Zu viele Fehler wurden begangen, und nun liegt das Kind im Brunnen. Weil man zu bequem war, das Rechte zur rechten Zeit zu tun, hat man nun jahrelang diese unerzogene, aufsässige Nervensäge am Hals.

In der Rückbetrachtung kann man zwar Versäumnisse genau benennen, aber jetzt ist es zu spät. Wie gerne würde man noch einmal ganz von vorne anfangen— aber am liebsten mit einem neuen, jungen, noch nicht "verdorbenen" Tier.

Denn bekanntlich ist das ja viel unkomplizierter, als einem erwachsenen Vierbeiner festsitzende Unarten abzutrainieren. Skrupellose Zeitgenossen pflegen sich des Problems auf einfache Weise zu entledigen:

Sie schaffen ihr altes Tier ab und kaufen sich ein neues. Im günstigsten Fall wird der Problemhund "umständehalber" im Tierheim abgeladen. Ein anständiger Mensch tut so etwas nicht. Nach dem Motto: Wer A sagt, muß auch B sagen, behalten die meisten zwar ihren Mißratenen Vierbeiner, liebäugeln aber zunehmend mit der Anschaffung eines weiteren Hundes, den sie besser hinkriegen wollen.

Dann hätten sie immerhin einen "schlechten" und einen "guten" Hund. Das funktioniert selten. Nicht nur deshalb, weil wir aus unseren Fehlern längst nicht soviel lernen, wie wir glauben. Es gibt da noch ein Problem: Der Ersthund beteiligt sich an der Erziehung des Zweithundes- leider nicht immer in der von uns gewünschten Weise. Doch dazu später mehr.
Bei vielen, die gelegentlich vom Zweithund träumen, gewinnt die Vernunft bald wieder die Oberhand. Praktische Argumente sprechen dagegen. Zwei Hunde sind teuer. Oft genug mehr als doppelt so teuer. Und das nicht nur wegen der Hundesteuer. Vieles ist zu beachten. Ist der Pkw groß genug für zwei Hunde? Oder denken Sie an die Urlaubsplanung. Eine Ferienwohnung mieten mit zwei Hunden? Versuchen Sie´s mal.

Wer suchet, der findet zwar, aber Geld darf dabei keine Rolle spielen. Allerdings sind es in der Regel weniger finanzielle Erwägungen, die Hundefreunde letztlich von der Anschaffung eines Zweithundes abhalten. Sie erinnern sich vielleicht an einige abschreckende Begegnungen. Zum Beispiel jene mit der sichtlich überforderten Halterin zweier Airedale Terrier.
Ableinen ist überhaupt nicht mehr möglich, weil die beiden jede Möglichkeit zu gemeinsamen Ausflügen nutzen. Einen konnte sie gerade noch beherrschen, zwei tanzen ihr nun auf der Nase herum. Neben Erziehungsschwierigkeiten macht vielen Leuten zu schaffen, daß nicht Freundschaft, sondern Reserviertheit bis hin zur erbitterten Feindschaft das Verhältnis der Vierbeiner zueinander bestimmt. Manchmal läßt sich das Problem nur dadurch lösen, daß einer der beiden aus dem Haus kommt.

Eines steht fest: Was für den ersten Hund gilt, gilt erst recht für den zweiten. Die Entscheidung sollte keinesfalls spontan getroffen werden. Daß in zahlreichen Familien zwei Vierbeiner problemlos zusammenleben, bedeutet nicht, daß die Gleichung "Hund&Hund=dicke Freunde" in jedem Fall aufgeht.

Auch die Erwartung "Ein Hund macht Freude. Zwei Hunde machen doppelt Freude" realisiert sich sehr oft, aber leider nicht immer. Wir können viel dafür tun, damit die Haltung zweier Hunde für alle Beteiligte zu einem beglückenden und nicht zu einem traumatischen Erlebnis wird.

Man sollte frühzeitig darüber nachdenken, welche speziellen Probleme je nach Konstellation auftreten können, um sofort darauf reagieren zu können. Um das Risiko eines Fehlschlages von vornherein zu minimieren, müssen wir zunächst sorgfältig einen passenden Partner für den bereits im Haus lebenden Vierbeiners auswählen.

Dabei spielen verschiedene Faktoren eine Rolle.

Quelle: Claudia Noe


So die Theorie, die sich in der Praxis allerdings nicht immer bewahrheitet.

 
b) Rüde & Rüde

Wer einen vierbeinigen Rambo besitzt, der sich gerne mit Geschlechtsgenossen prügelt, vermag sich kaum vorzustellen, daß zwei Jungs im selben Haushalt gut miteinander auskommen können. Das funktioniert aber in den meisten Fällen, vorausgesetzt, man gibt ihnen die Gelegenheit, ihre Hackordnung festzulegen. Irgendwann gibt es den unvermeidlichen Zoff. Das Rüdengerangel hat den Charakter eines Rangordnungskampfes.
Das bedeutet: Man will sich nicht umbringen, sondern nur die Machtverhältnisse klären. Sobald sich herausgestellt hat, wer der Stärkere ist, werden die Kampfhandlungen eingestellt. Der unterlegene Rüde ist fortan ein guter Spielkamerad und treuer Vasall- falls er sich nicht irgendwann zu einer Revolte entschließt, weil er seine Unterlegenheit nicht mehr akzeptiert.
Kommt es unter etwa gleichstarken Rüden immer wieder zu Zank und Streit, kann es erforderlich werden, den rangniedrigen zu kastrieren, um den Rangunterschied zu vergrößern und eine klare Hackordnung langfristig zu stabilisieren.

c) Hündin & Hündin
Wie das mit den Weibern, die zu Hyänen werden, gemeint ist, begreift jeder schnell, der einmal einen Kampf zwischen zwei verfeindeten Hündinnen miterlebt hat.
Züchter, die eine größere Anzahl von Vierbeinern im Haus haben, sehen sich nicht selten mit dem Problem konfrontiert, daß zwei ihrer Damen von heute auf morgen zu erbitterten Gegnerinnen werden.Die Aversion erweist sich leider häufig als irreversibel. Versöhnungsversuche sind zwecklos.
Separiert man die Kampfhennen nicht lebenslang, muß man mit einem blutigen Gemetzel bis zum bitteren Ende rechnen. Das sind- wohlgemerkt- Ausnahmefälle. Nicht jede zwischen zwei Hündinnen auftretende Rivalität nimmt diesen Verlauf. Normal ist allerdings, daß sich die Ladies hin und wieder in die Wolle geraten, oft ausgelöst durch "Los Wochos" bei einer oder beiden. Gerade zu Beginn der Hitze können Hündinnen ausgesprochen unleidlich werden. War das Dominanzgefälle zwischen beiden schon vorher nicht sehr deutlich, kommt es in dieser Zeit verstärkt zu Auseinandersetzungen.Für Ihre Besitzer heißt es dann: Wehret den Anfängen. Auch bei ständigen, sich verstärkenden Eifersüchteleien unter Hündinnen kann sich die Kastration des rangniedrigen Tieres als friedensstiftend erweisen.


           








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